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Costa Rica
Matapalo

Endlich Urlaub!

Lesedauer: ca. 10 Minuten

Costa Rica ist das Land der ausgetretenen Touristenpfade. Das gilt insbesondere auch für die zentrale Pazifikküste. Und daher sind wir ziemlich überrascht, dass hier nichts und niemand ist.

Wir fragen uns, ob es wirklich eine gute Idee war, hier aus dem Bus auszusteigen. Matapalo besteht aus nicht viel mehr als aus einem Fußballplatz mit ein paar Häusern drum herum.

Wir gehen bis zur Brücke und sind damit schon aus dem Dorf draußen. Nach gut einem Kilometer kommen wir unten am Meer an.

Wir hoffen, dass wir hier eine Unterkunft finden, aber fast alle Häuser und Anlagen sind entweder verfallen oder verwaist. Beziehungsweise beides.

Aber an einer vermeintlichen Unterkunft entdecken wir Leute, die Renovierungsarbeiten durchführen. Immerhin. Wir fragen nach, ob es in dieser Baustelle freie Zimmer gibt. Ja, gibt es, erklärt uns der Besitzer der Unterkunft, der sich als Deutscher entpuppt. Die zahlreichen leeren Bierflaschen in der Küche erklären seinen etwas verkaterten Zustand.

Wir gehen trotzdem weiter. Aber irgendwie gibt es hier sonst nichts.
Und dann stehen wir plötzlich vor einer rosaroten Burg.

Da hat wohl ein Möchtegern-Burgherr seiner Ich-bin-eine-Märchenprinzessin-Frau einen Traum erfüllt. Zumindest mutmaßen wir das. Vielleicht ist alles aber auch ganz anders. Wir konzentrieren uns jedenfalls lieber weiter auf unsere Unterkunftssuche.

Die Affen-Unterkunft

Wir entdecken ein Schild, das von einem Affen bewacht wird und das auf eine Unterkunft hinweist.

Von einem Affen? Wir schauen genauer hin. Das ganze Grundstück ist voll mit Affen.
Wir betrachten das Spektakel hier einige Zeit, dann gehen wir weiter. Schade eigentlich, denn das Haus hier sieht nach einer wirklich attraktiven Unterkunft aus. Direkt am Meer gelegen, eine Terrasse mit zahlreichen Hängematten, nur wenige Zimmer. Schlicht und einfach, aber gepflegt. Perfekt also. Aber alles ist verschlossen, niemand ist da.

Einige Zeit später werden wir auf der Straße angesprochen, ob wir etwas suchen würden. Ja, eine Unterkunft, antworten wir, aber es scheint ja keine zu geben, und wenn, dann sind dort nur Affen und sonst niemand.
Das kann nicht sein, sagt er und geht mit uns zurück. Aber es ist weiterhin niemand da. Mittlerweile nicht einmal mehr Affen.
Er greift zu seinem Handy und ruft den Besitzer der Unterkunft an. Der daraufhin einige Zeit später auf einem Moped angerattert kommt.

Und somit haben wir unsere Unterkunft für die nächsten Tage gefunden. Rechtzeitig, um aus unserer Hängematte heraus den Sonnenuntergang zu genießen. Endlich Urlaub!

Es ist wirklich traumhaft hier auf unserer überdachten Terrasse.

Der Strand direkt vor dem Haus ist kilometerlang. Feiner Sand, keine Steine, nicht einmal Kieselsteine. Dazu ausreichend Naturschatten. Besser geht es wirklich nicht.

Aber offensichtlich weiß niemand, wie toll es hier ist, denn die ganze Gegend ist nahezu menschenleer.

Das einzige sichtbare Haus ist das, in dem wir nun wohnen.

Möglicherweise war hier früher einmal mehr los, es gab sogar eine Rettungsstation. Von der ist aber nicht viel mehr übriggeblieben als die Betonpfähle.

Teures Costa Rica

Etwas besonderes an unserer Traumunterkunft hier ist auch, dass wir sie erstaunlich günstig bekommen. Denn Costa Rica ist alles andere als ein preiswertes Reiseland. Das Preisniveau für Unterkünfte oder Restaurants lässt sich mit dem bei uns in Deutschland vergleichen. Und viele alltägliche Artikel im Supermarkt sind sogar deutlich teurer als bei uns.

Anstatt einer Woche in Costa Rica kann man für das gleiche Geld durchaus einen ganzen Monat im Nachbarland Nicaragua verbringen. Oder beispielsweise in meinem Lieblingsreiseland Kolumbien.

Wir haben schon ein schlechtes Gewissen, dass wir hier so wenig zahlen, denn wie sollen unsere Vermieter davon leben können, bei den hohen Preisen? Zumal wir die einzigen Gäste sind. Die nächste Reservierung haben sie erst wieder für Silvester, erzählen sie uns.

Ich frage nach, warum die Unterkunft denn nicht beispielsweise in Booking vertreten ist, damit man weiß, dass es sie gibt. Booking würde sich nicht lohnen und nur Ärger bereiten, das ist grob zusammengefasst die Antwort.

Unsere Vermieter

Die Zukunft wird zeigen, ob es ein tragfähiges Konzept ist, auf Touristen zu hoffen, die an einem unbekannten Ort aus dem Bus steigen, keine Unterkunft vorgebucht haben, zwei Kilometer durch die Gegend spazieren und dann durch Zufall genau hier landen und ein Zimmer wollen, obwohl alles verschlossen und niemand da ist.

Unsere Vermieter jedenfalls sind ein wirklich nettes junges Paar und es ist sehr angenehm mit ihnen hier. Die beiden haben ein zehn Monate altes Kind, wobei die Mutter, dem Klischee über Lateinamerika entsprechend, schwanger geworden ist, als sie noch zur Schule ging. Sie hofft, dass sie später noch eine Ausbildung machen kann. Wir drücken die Daumen, dass das klappt, aber ich befürchte, die Geschichte wird anders ausgehen.

Die zwei haben für sich eine ausgeklügelte Arbeitsteilung erarbeitet: Er kümmert sich um die Zimmer, putzt, bringt den Garten in Ordnung und führt kleinere Reparaturen durch. Danach fährt er mit dem Moped nach Quepos zu seiner 9-Stunden-Schicht als Fleischereifachverkäufer.
Sie hingegen kümmert sich um das Kind. Ausschließlich.

Das Kind sitzt den ganzen Tag in seinem Kinderwagen und wird hin und her geschoben. Etwa alle zwei Stunden bekommt es etwas zu essen. Nadine behauptet, sie hätte es einmal am Boden krabbeln sehen, oder zumindest bei dem Versuch dazu, aber ich kann das nicht bestätigen, ich kenne das Kind nur sitzend in seinem Kinderwagen, stundenlang. Wir müssen uns anstrengen, dem Reflex zu widerstehen, es einfach mal aus diesem Kinderwagen rauszuholen und es sich bewegen zu lassen.

Etwas später machen wir uns auf den Weg zu dem kleinen Supermarkt in der Nähe und fragen unserer Vermieterin, ob wir ihr etwas mitbringen sollen. Ja, eine große Flasche Cola bitte.

Wir müssen danach etwas schmunzeln über die unterschiedliche Menge an Cola, die wir (links) und unsere Vermieter (rechts) heute trinken werden.

Dabei haben sie die tägliche Cola-Ration schon deutlich reduziert, erzählt unsere Vermieterin stolz. Und das, obwohl sie ja jetzt zu dritt sind.
Das Baby trinkt auch Cola? Ja, es mag Cola wirklich sehr, sagt sie. Allerdings verdünnt sie die Cola mit Wasser, wegen der Kohlensäure.

Nun ja.

Jedenfalls haben wir hier in Matapalo nicht nur eine schöne Unterkunft mit einem Traumstrand davor gefunden, sondern bekommen auch noch einen Einblick in das Familienleben der örtlichen Bevölkerung.

Die Affen kommen zurück

Am nächsten Tag, etwa zu derselben Uhrzeit, zu der wir am Vortag zum ersten Mal vor dieser Unterkunft standen, kommen die Affen wieder. Diesmal von der anderen Richtung.

Stundenlang halten sie sich in dem Palmenwald neben uns auf, springen zwischen den Palmen hin und her, toben auf dem Boden herum und klettern die Bäume hinauf. Wir fühlen uns, als wären wir mitten in einem riesigen Affengehege in einem Zoo gelandet.

Nur dass das hier eben kein Gehege ist, sondern dass die Affen sich frei überall hin bewegen können. Und das auch tun. Nach einiger Zeit sind sie wieder verschwunden. Tschüss, bis morgen dann, selbe Uhrzeit, selber Ort?

Der Tropen-Laptop

Ich habe das Affenspektakel einige Zeit lang mit dem Handy gefilmt und würde hier gerne ein paar Ausschnitte daraus präsentieren. Nur leider ist die Programmierung dieser Seite nicht für Videos ausgelegt.

Theoretisch könnte ich das ändern, denn ich habe tatsächlich meinen Laptop im Rucksack.
Allerdings: Ich hatte nicht bedacht, dass der Transport eines Laptops während einer Rucksackreise durch die Tropen offensichtlich andere Vorkehrungen erfordert als der Transport daheim in Stuttgart von der Wohnung ins Büro.

Jedenfalls funktioniert mein Laptop nicht mehr. Ich schraube ihn auf, in der Hoffnung, dass sich vielleicht nur irgendwo eine Verbindung gelockert hat, aber alles ist einwandfrei.
Mist. Vermutlich hat ihm die Dauerfeuchtigkeit der vergangenen Tage an der Karibikküste nicht gutgetan. Er lässt sich nicht mehr einschalten. Tot.

Ich lege ihn in die pralle Mittagssonne, in der Annahme, dass er sowieso nicht noch kaputter werden kann, als er ohnehin schon ist. Kurz bevor er zu schmelzen anfängt, hole ich ihn wieder aus der Sonne raus.
Spaßeshalber versuchte ich jetzt nochmal, ihn einzuschalten. Und, kaum zu glauben: Er funktioniert!

Tatsächlich, auch die nächsten Tage ist es so: Bevor ich den Laptop benutzen will, muss ich ihn einfach eine halbe Stunde in die Sonne legen, dann lässt er sich starten. Ich wusste gar nicht, dass auch Laptops Sonnenanbeter sein können.

Ich bin also offensichtlich vom Wetter abhängig, wenn ich meinen Laptop verwenden will.
Das möchten wir ändern und das Feuchtigkeitsproblem des Laptops wetterunabhängig lösen. Im Supermarkt kaufen wir Reis und Kaffeefilter und basteln daraus Trocknungspads. Mal sehen, wie gut diese funktionieren werden.

Land:Costa Rica
Ort:Matapalo
Reisedatum:06.12.2021 - 10.12.2021
Autor:Manuel Sterk
Veröffentlicht:18.12.2021
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Uli und Susanne
Großartig. Genießt es. Weiter viel Spass und kommt save home irgendwann.
LG
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