Auf unserem Weg von Santo Domingo an den Lago Enriquillo machen wir einen Zwischenstopp in Santa Cruz de Barahona. Wobei Santa Cruz nirgends verwendet wird, die Stadt wird schlichtweg nur Barahona genannt.
Das Tourismusministerium bewirbt die gleichnamige Provinz als „Perle des Südens“. Ist die Stadt da mitgemeint? Wir werden sehen.
Nach unserer Ankunft in Barahona quartieren wir uns jedenfalls standesgemäß im dortigen „Gran Hotel“ ein.
Dort wählen wir ein Zimmer mit Balkon und Blick ins Grüne.
Wenn man den Ausblick genießen will, muss man einfach nur nicht allzu genau hinschauen, denn dann sieht man auch nicht, dass das wuchernde Grün Unmengen an Müll überdeckt.
Der Malecón
Ein Highlight von Barahona ist der Malecón: Eine mehrspurige Straße in großzügigem Abstand zum Meer, an deren rechter und teilweise auch linker Seite es unzählige Bars, Restaurants und Essensstände gibt.
Trotz der Unmenge an Lokalitäten lässt sich das vorhandene Angebot wie folgt recht knapp zusammenfassen: Rum, Bier und frittiertes Hähnchen. Und dazu Musik in einer atemberaubenden Lautstärke.
Essen in der Dominikanischen Republik
Ich hätte nicht erwartet, dass die Dominikanische Republik zu den Ländern Lateinamerikas zählt, in denen es am schwierigsten ist, an vegetarisches und im Idealfall nicht frittiertes Essen zu kommen.
Bei den extrem touristischen Orten wie beispielsweise auf der Halbinsel Samaná, wo sich unzählige Ausländer niedergelassen haben, sieht das zwar anders aus, aber dort tut man sich dafür mitunter schwer, etwas anderes als völlig überteuerte italienische und französische Restaurants zu finden.
Außerhalb dieser Touristenzentren sind wir dann schon froh, wenn wir Reis mit Bohnen oder eine Gemüsesuppe bekommen. Zusammen mit Empanadas (die hier erstaunlich gut sind) und Tostones (das sind die doppelt frittierten Kochbananen, die in den meisten anderen Ländern Lateinamerikas Patacones heißen) stellen wir uns dann ein individuelles Menü zusammen.
Aber hier in Barahona scheint es tatsächlich nur frittiertes Hähnchen zu geben.
Wir entdecken dann aber doch noch ein Restaurant, in dem es auch noch etwas anderes gibt, und haben damit unser zukünftiges Stammlokal gefunden. Denn dieser Aufenthalt wird nicht unser einziger in Barahona sein, aber das können wir momentan noch nicht wissen.
Der Strand
Wir setzen unseren Rundgang fort und gehen Richtung Meer. Dort landen wir am Zugang eines Strandhotels.
Oder genauer gesagt: ehemaliges Strandhotel, denn obwohl die Anlage von Sicherheitsleuten bewacht wird, ist sie eher eine Ruine als ein Hotel.
Und diese Ruine grenzt an einen eigentlich recht schönen Strand.
Zumindest könnte dieser Strand recht schön sein, wenn er nicht völlig zugemüllt wäre.
Etwas weiter folgt an diesem Müllstrand ein weiteres Hotel, welches so aussieht, als ob es noch in Betrieb ist.
Potentiellen Gästen dieses Hotels müsste man empfehlen, eine ausreichende Anzahl an Säcken mit in den Urlaub zu nehmen, damit sie etwas von dem Plastikmüll einsammeln und sich dadurch am Strand einen Platz zum Liegen schaffen können.
Amerikaner
Allerdings ist uns nicht ganz klar, welche Gäste eigentlich in den Hotels dieser Stadt beherbergt werden sollen. Denn andere Touristen als uns haben wir hier noch nicht gesehen.
Und wir, als ausländische Touristen, kommen uns ein wenig wie Außerirdische vor: Offensichtlich haben viele Einwohner Barahonas nicht mehr zu tun, als den ganzen Tag auf einem Stuhl am Straßenrand zu sitzen und in die Gegend zu schauen. Und so werden wir, egal wo wir hingehen, immer von unzähligen Augen verfolgt. Ein etwas eigenartiges Gefühl.
Mitunter sind die Leute derart überrascht, ausländische Touristen zu sehen, dass sie laut „Americanos!“ rufen. Das klingt zwar immerhin netter als die ebenfalls geläufigen Bezeichnungen Gringos oder Blanquitos, aber Nadine lässt sich (aus gutem Grund) ungern mit US-Amerikanern in Verbindung bringen, und korrigiert daher regelmäßig, dass wir keine Amerikaner sondern Europäer bzw. Deutsche sind. Manche sind dann völlig überrascht: „Ich dachte, mit dieser Hautfarbe müsst ihr Amerikaner sein.“
Einige kramen, wenn sie uns als vermeintliche US-Amerikaner sehen, extra ihr gelerntes Englisch aus und begrüßen uns mit „good morning“. Zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Strom
Wir gehen zurück zu unserem Luxushotel, wo ich dann auf ein kleines Problem stoße: Das Aufladen meines Handys funktioniert nicht. Es lädt für einen kurzen Moment und bricht dann sofort wieder ab. Ich versuche es an der Steckdose, wo der Fernseher eingesteckt ist, aber auch dort klappt es nicht.
Sobald ich dann den Fernseher wieder einstecke, gibt plötzlich die Klimaanlage an der anderen Seite des Raums einen Piepston von sich.
Zufall?
Nein, dieser Effekt lässt sich problemlos wiederholen.
Und das bringt mich auf eine Idee.
„Schalten Sie hier die Klimaanlage ein“ steht auf einem Schild und ein Pfeil zeigt auf vier Sicherungen.
Ich aktiviere damit die Klimaanlage – und tatsächlich: Jetzt funktioniert das Laden meines Handys!
Es wäre sinnlos, den Zusammenhang zwischen dem Einstecken des Fernsehers, dem Piepsen der (ausgeschalteten) Klimaanlage und dem Laden des Handys durch Einschalten der Klimaanlage durchschauen zu wollen. Wenn man in diesem Land Verkabelungen betrachtet, wundert man sich eher, dass überhaupt irgendwo Strom fließt.
Und somit kommt es nicht völlig unerwartet, dass etwas später der Strom großräumig ausfällt. Es ist dunkel um uns herum, die Musik vom Malecón verstummt.
Dann ein Rattern und Brummen, und dann werden wir in unserem Zimmer in eine Dieselwolke eingehüllt.
Das haben wir bei der Zimmerauswahl nicht berücksichtigt: Das Notstromaggregat des Hotels befindet sich schräg unter unserem Zimmer.
Da wir bereits gestern in Santo Domingo den ganzen Tag aufgrund eines Stromausfalls in unserem Viertel nicht in unser Zimmer konnten, weil das Notstromaggregat des dortigen Hotels die Wände des Zimmers zum Vibrieren brachte (das ist keine Übertreibung) und man sich vorkam wie in einem Maschinenraum, sind wir nun etwas besorgt. Wir gehen zur Rezeption und fragen, ob wir unser Zimmer gegen eines auf der anderen Seite tauschen können.
Aber man verspricht uns, dass der Stromausfall nur noch maximal zwanzig Minuten dauern würde, und tatsächlich, nach etwa einer halben Stunde ist wieder Ruhe.
Sofern man hier von Ruhe sprechen kann: Denn immer mehr Bars am Malecón drehen ihre Musikanlage auf und beschallen damit unser Hotel, obwohl es ein gutes Stück entfernt liegt.
Guagua-Fahrt, Preis: VB
Am nächsten Morgen wollen wir diese interessante Stadt wieder verlassen und fragen uns zum Abfahrtsort der Guaguas nach Neyba durch.
Was uns während unserer gesamten bisherigen Reise erstaunt hat, ist, dass wir immer die einzigen ausländischen Touristen sind, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen.
Dabei sind diese Fahrten oftmals recht amüsant, wenn auch ziemlich anstrengend.
Was aber definitiv nervig ist, aber das betrifft nicht nur die Fahrten mit den Guaguas sondern eigentlich fast alle Produkte und Dienstleistungen hier im Land, ist, dass nahezu nichts irgendwie ersichtliche Preise hat, sondern jeder Preis muss erfragt und verhandelt werden.
Und natürlich bekommen wir als „Amerikaner“ deutlich höhere Preise genannt als die Einheimischen.
Oder wir bekommen einen besonderen Service: Bei einer Guagua-Fahrt wird uns die komplette Rückbank nur für uns für jeweils 500 Peso angeboten. Wir lehnen ab, wir wollen den ganz normalen Preis bezahlen.
Am Ende verlangt der Fahrer dann dennoch insgesamt 1000 Peso, schließlich hatten wir ja die Rückbank für uns allein, sagt er. Klar, antworteten wir, das hatten wir, aber nur, weil schlichtweg keine weiteren Fahrgäste zugestiegen sind. Dann sollen wir eben zahlen, was wir für richtig halten, gibt sich der Fahrer geschlagen.
Manchmal hilft es, andere Reisende nach dem Preis zu fragen, aber mitunter halten diese sich auch bedeckt, um ihrem Landsmann freie Bahn bei der Preisgestaltung gegenüber uns Touristen zu lassen. Oder sie unterstützen ihn, indem sie uns den genannten, ganz offensichtlich überteuerten Preis als den richtigen bestätigen.
Nadine hat sich mittlerweile zur einer knallharten Fahrpreis-Verhandlerin entwickelt:
— 500 Peso für diese Fahrt? Wir zahlen nur 300 Peso
— 400 Peso ist das Minimum
— Nein, wir zahlen nur 300 Peso
— Also dann 350 Peso
— Nein, 300 Peso und keinen Peso mehr
— Das ist zu wenig
— Dann warten wir auf das nächste Guagua
— Na gut, steigt ein
Der „korrekte“ Preis, also der, den die Einheimischen zahlen, liegt bei 350 Peso, beobachten wir nachher. Sorry, das wollten wir jetzt auch wieder nicht, aber irgendwie selber Schuld, denken wir.
| Land: | Dominikanische Republik |
| Ort: | Barahona |
| Reisedatum: | 10.03.2026 - 11.03.2026 |
| Autor: | Manuel Sterk |
| Veröffentlicht: | 15.03.2026 |
| Leser bisher: | 35 |
Deine Meinung zu dieser Reiseerzählung:
Gefällt mir
Nicht so toll
Dein Name wird über Deinem Kommentar angezeigt. Du kannst dabei natürlich irgendwas eingeben, auch den größten Blödsinn, aber schön wäre es, wenn die Leser Deines Kommentars erkennen könnten, wer ihn geschrieben hat ;)
Alle Reiseerzählungen
Newsletter
Einfach hier anmelden!




















