Wir wollen für ein paar Wochen in die Tropen, und der billigste Flug, den wir gefunden haben, bringt uns in die Dominikanische Republik.
Natürlich ist uns bewusst, was uns dort erwartet: Zehn Millionen Touristen strömen jährlich in dieses kleine Land, das berühmt für seine All-Inclusive-Resorts ist, wo die Urlauber ihre Zeit um die ausgedehnten Poollandschaften herum verbringen, ohne dabei nennenswert mit dem Land oder den Menschen dort in Berührung zu kommen. Mit organisierten Touren werden sie in klimatisierten Reisebussen massenweise zu den diversen Hotspots gebracht und danach schnell wieder zurück.
Ob es uns gelingen wird, dieses Land abseits der Massen und Hotelanlagen zu bereisen?
Auf alle Fälle werden wir hier als zwei weitere Touristen unter den zehn Millionen nicht auffallen, denken wir, ganz anders, als das bei unserer letzten Reise durch Honduras der Fall war, wo wir häufig die einzigen Touristen weit und breit waren.
Und somit sind wir ziemlich überrascht über den Ort, wo wir uns keine vierundzwanzig Stunden nach unserer Ankunft befinden werden.
Punta Cana
Zunächst aber möchten wir uns nach unserer Landung am Flughafen von Punta Cana mit Bargeld und einer lokalen SIM-Karte fürs Handy versorgen. Einen Geldautomaten finden wir, aber nirgends gibt es einen Laden oder einen Stand, wo man eine SIM-Karte bekommen könnte. Und das trotz der über zehntausend Touristen, die hier täglich ankommen. Aber klar, innerhalb der Hotelanlagen gibt es WLAN, mehr braucht man nicht.
Also schnappen wir uns unsere Rucksäcke und spazieren eine mehrspurige Straße entlang zu einer Mall, wo wir dann fündig werden. Ich probiere den neu erworbenen Online-Zugang meines Handys gleich aus und bestelle ein Uber.
Auf einer gut ausgebauten vielspurigen Straße kämpft sich unserer Fahrer durch den Stau. Vorbei an riesigen Hotelanlagen, Beton-Wohnsiedlungen und Einkaufszentren, unter der Zugangsbrücke eines Ikea-Einrichtungshauses hindurch und dann immer weiter inmitten der endlosen Blechkolonne.
Wir hatten ja mit einigem gerechnet, aber das hier übertrifft unsere Erwartungen bei weitem.
Der ganze Beton wurde ausschließlich für den Tourismus in die (sicherlich vor ein paar Jahren noch wunderschöne) Landschaft gegossen. Hier passt der Begriff Tourismusindustrie perfekt. Über 900.000 Arbeitsplätze hängen in der Dominikanischen Republik direkt oder indirekt am Tourismus, dem mittlerweile wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes.
Bávaro
Abgesehen von den Hotelresorts gibt es hier noch riesige, durch Mauern umschlossene Wohnanlagen, in denen sich ein Ferienhaus an das nächste reiht.
Und auch unsere für die erste Nacht vorgebuchte Unterkunft befindet sich in einer solchen Anlage. Wir haben allerdings Glück und bei unserer Buchung offenbar das schönste Gebäude der Gegend erwischt.
Allerdings öffnet auf unser Klingeln niemand. Ich versuche, den Besitzer anzurufen, aber auch das ist erfolglos. Es ist mittlerweile schon dunkel und wir haben nur begrenzt Lust, uns jetzt, fix und fertig nach der langen Anreise, noch eine neue Unterkunft suchen zu müssen. Und so sind wir froh, dass sich letztendlich doch noch jemand meldet.
Der Türöffner surrt, wir gehen ins Haus – und werden von einem an der Wand befestigten iPad empfangen.
Auf dessen Bildschirm erscheint unser Gastgeber. Mit nacktem Oberkörper. Er bittet um Entschuldigung, er wäre gerade unter der Dusche gewesen, und hätte daher unser Klingeln nicht gehört.
Der Strand
Am nächsten Morgen kämpfen wir uns gut zwei Kilometer durch die Anlage hindurch und an eingemauerten Hotels vorbei zum Strand.
Der Strand hat geregelte Öffnungszeiten, nämlich von 9 bis 18 Uhr, steht auf einem Schild. Wir sind weit vor 9 Uhr hier, sehen also leider nur, wie der Strand ohne Touristen aussieht.
Es herrscht alles andere als Strandwetter, es stürmt heftig, und wir wollen sowieso nicht länger hier bleiben, also machen wir uns auf den Rückweg durch die endlosen Reihen an Ferienhäuser.
Die Fahrplanauskunft
Unser erstes Ziel ist der Ort Miches, knapp neunzig Kilometer und damit hoffentlich weit genug entfernt von hier. Wir fragen nach, wie wir dorthin kommen, und bekommen als Information, dass um 13 Uhr ein Bus „an der Kreuzung von Friusa“ abfährt.
An dieser Straßenkreuzung angekommen fragen wir nochmal nach und bekommen dort als Information, dass der Bus nicht von hier, sondern von einer Haltestelle in Friusa abfährt, wir sollen einfach ein Stück in den Ort gehen und dort nochmal nachfragen.
Das machen wir, und bekommen an der Tankstelle dort die präzise Information, dass der Bus um 13:40 Uhr an der Straße schräg gegenüber abfährt. Dort fragen wir dann sicherheitshalber nochmal, und bekommen nun als Abfahrtspunkt eine Stelle an der nächsten Straße links um die Ecke genannt, und als Uhrzeit diesmal 13:30 Uhr.
Das Spiel geht noch eine Weile so weiter, und zusammengefasst ist es so, dass der Bus irgendwo und überall in Friusa abzufahren scheint, im Zeitraum zwischen 13:00 und 13:40 Uhr.
Was uns überrascht: Zum einen ist Friusa ein typischer, etwas heruntergekommener Ort, wie wir ihn aus zahlreichen anderen Ländern Lateinamerikas kennen, ohne irgendeine Spur des Hotelresort-Massentourismus, der keine fünf Kilometer von hier entfernt ist.
Und zum anderen fahren von hier alle paar Minuten Busse in verschiedene Richtungen, alle im Viertel- oder maximal Halbstundentakt, nur nach Miches scheint es nur diesen einen Bus zu geben, wann und von wo auch immer er genau abfährt.
Nach Miches scheint also niemand zu wollen. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Wir werden sehen.
Jedenfalls müssen wir nun noch etwa drei Stunden warten bis zur frühestgenannten Abfahrtszeit. Diese Zeit verbringen wir mit Essen und Trinken und der (leider erfolglosen) Suche nach einem gebührenfreien Geldautomaten.
Guagua
Die Busse hier in der Dominikanischen Republik werden Guaguas genannt, und damit ist alles gemeint, von einem mehr oder weniger schrottreifen Minivan bis zu einem klimatisierten Reisebus. Das, was dann tatsächlich gegen halb zwei um die Ecke kommt, ist irgendwo mittendrin einzuordnen, ein Kleinbus in einem erstaunlich guten Zustand.
Unsere Reise durch die Dominikanischen Republik kann beginnen.
| Land: | Dominikanische Republik |
| Ort: | Punta Cana |
| Reisedatum: | 26.02.2026 - 27.02.2026 |
| Autor: | Manuel Sterk |
| Veröffentlicht: | 07.03.2026 |
| Leser bisher: | 32 |
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