Kurz nachdem wir die Brücke überquert haben, die in den Ortskern von Miches führt, geraten wir in einen Bienenschwarm.
Oder, etwas genauer formuliert: Vor uns steht eine Gruppe Kinder, die als Bienen verkleidet sind.
Und von weiter vorne hämmert uns der Bass lauter Musik entgegen. Da müssen wir natürlich nachsehen, was dort los ist.
Der Umzug
Wir sind offensichtlich mitten in einem Umzug geraten. Was der Hintergrund dieses Umzugs ist, ist uns unklar, aber wir freuen uns, dass uns die Dominikanische Republik gleich an unserem ersten Tag eine solche Attraktion bietet.
Allerdings: Der Lärmpegel hier ist gewaltig. Die Musik entlang des Umzugs ist derart laut, dass es in den Ohren schmerzt.
Noch können wir nicht wissen, dass diese Musiklautstärke uns nur einen ersten Eindruck von dem gibt, was uns im weiteren Verlauf der Reise durch dieses Land noch erwartet.
Wir flüchten weg vom Umzug Richtung Malecón, um unseren Ohren eine kurze Pause zu gönnen.
Nach einem guten Stück gehen wir wieder zurück Richtung Ortsmitte und landen am zentralen Platz.
Der Redner auf einer Bühne stellt die einzelnen vorbeimarschierenden Gruppen vor – und endlich wird uns klar, was das hier ist: Karneval!
In Deutschland war schon längst Aschermittwoch, aber hier scheint ein anderer Kalender zu gelten.
Der Strand
Wir gehen wieder zurück, Richtung Strand. So toll das hier alles ist, aber heute, an unserem ersten Tag, überfordert es uns ein wenig. Und unsere Ohren.
Aber unser Rückzug bringt nicht wirklich viel: Die Musik verfolgt uns!
Um vom Ort zum Strand zu kommen, muss man wieder die Brücke überqueren und dann etwa einen Kilometer den Fluss entlang gehen.
Bereits ein gutes Stück vom Strand entfernt dröhnt uns erneut Musik entgegen: Links neben dem Eingang zum Strand sind rund zehn kleine Strandbars und Restaurants direkt nebeneinander aufgebaut, und jede davon sorgt mit ihrer eigenen Musikanlage für eine beeindruckende Beschallung.
Am Abend wollen wir in einer dieser Strandbars etwas trinken, aber dort ist es uns dann doch zu heftig: Man hört jeweils drei unterschiedliche lateinamerikanische Musikstile gleichzeitig, nämlich die Musik der eigenen Bar und zusätzlich die von links und rechts, und alle jeweils in voller Lautstärke.
Die Einheimischen hingegen scheinen sich an diesem gewaltigen Lärmpegel nicht zu stören, ganz im Gegenteil.
Apropos Einheimische: Uns überrascht völlig, dass wir hier in Miches anscheinend die einzigen ausländischen Touristen sind. Damit hätten wir in der Dominikanischen Republik mit ihren jährlich zehn Millionen Besuchern definitiv nicht gerechnet: Eine kurze Fahrt mit einem Guagua reicht aus, um dem Massentourismus und den Hotelburgen zu entkommen.
Die Strandhütte
Wir haben in der Unterkunft am Strand die letzte verfügbare Hütte ergattern können. Denn wir sind zwar die einzigen ausländischen Touristen, aber nicht die einzigen Touristen überhaupt: Heute, am Freitag, ist Feiertag, der Unabhängigkeitstag, und somit steht ein langes Wochenende bevor. Das nutzen natürlich zahlreiche Einheimische für einen Kurzurlaub.
Ob das nun wirklich Glück war mit der Hütte, das bezweifeln wir aber mittlerweile: Die Musik der Strandbars und vorallem die Bässe reichen bis in unsere eigentlich ziemlich abseits gelegene Hütte.
Aber gegen vier Uhr nachts schaltet auch die letzte Strandbar ihre Musikanlage aus – ein wenig Schlaf in Ruhe haben wir also noch.
Sehr ruhig
Zu unserer Unterkunft gehört auch ein Restaurant mit einer Terrasse direkt am Strand, und dort sitzen wir gerade, als eine mutmaßliche Influencerin sich an das Geländer vor uns stellt und ein Video über den Strand von Miches und eben dieses Restaurant dreht. Da sie dazu mehrere Anläufe braucht, kann ich den Text mittlerweile auswendig und könnte die Moderation übernehmen, vielleicht einmal von meiner mangelhaften spanischen Aussprache abgesehen.
Jedenfalls genau dann, als sie wieder erklärt, wie ruhig es hier ist, rattert ein Motorrad über den Strand und der Fahrer lässt, wie das bei jeder sich bietenden Gelegenheit üblich ist, den Motor extra laut aufheulen.
Ich hätte das Video ja genau so gelassen, weil es Miches und diesen Strand wirklich sehr gut widergibt, aber sie ist leider der Ansicht, dass sie alles nochmal neu aufnehmen muss.
Der Autostrand
Dass mit Motorrädern über den Strand gefahren wird oder dass jeder versucht, mit seinem Auto so nah wie möglich an den Strand zu kommen oder sogar direkt am Rand des Strands parkt, ist nicht ungewöhnlich.
Was ich aber bisher noch nie gesehen habe, ist, dass man mit dem Auto quer über den Strand fährt und dann direkt vor dem Meer parkt.
Man muss somit keinen Meter zu Fuß gehen, die Kofferraumklappe dient als Sonnenschirm, im Kofferraum steht eine Kühlbox mit ausreichend Getränken bereit und die Soundanlage des Autos sorgt für Musik in landestypischer Lautstärke. Ein perfekter Strandtag mit der Familie. So, wie es die Influencerin ihren Followern versprochen hat.
| Land: | Dominikanische Republik |
| Ort: | Miches |
| Reisedatum: | 27.02.2026 - 01.03.2026 |
| Autor: | Manuel Sterk |
| Veröffentlicht: | 07.03.2026 |
| Leser bisher: | 31 |
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