Warum ausgerechnet Honduras? Diese Frage hat man uns vor unserer Abreise unzählige Male gestellt, und das womöglich nicht ganz zu Unrecht.
Honduras hat einen ziemlich schlechten Ruf, was die Sicherheitslage betrifft, und wird daher als Reiseziel in der Regel gemieden. Abgesehen vielleicht von den honduranischen Karibikinseln Utila und Roatán, wobei letztere sogar von Kreuzfahrtschiffen angefahren wird und mit zahlreichen Luxusressorts aufwarten kann, was wiederum Grund genug ist, dass sie von uns gemieden wird, aber mal sehen.
Jedenfalls, obwohl wir schon einen Großteil der Länder Lateinamerikas bereist haben, waren auch wir noch nie in Honduras. Es ist also Zeit, das zu ändern, und deshalb sind wir hier.
Die Tageszeitungen
Ein Blick in die Online-Ausgaben von lokalen Tageszeitungen trägt nicht wirklich dazu bei, das Image des Landes zu revidieren.
Der erste Artikel handelt von einem Essenslieferanten, der überfallen und dabei angeschossen wurde. Beim Durchlesen des Artikels startet automatisch das hinterlegte Video: Man sieht den Ablauf aus Sicht einer Kamera, die der überfallene Essenslieferant an seiner Brust befestigt hatte. Er sagt noch „Bruder, lass mich einfach meinen Job machen“, dann kommt der Schuss, danach sieht man nur noch wackelnde Bilder und danach Blut.
Auf Nicht-Honduraner kann das etwas verstörend wirken.
Im nächsten Artikel dann immerhin eine erfreuliche Nachricht: Ein Serienmörder wurde verhaftet.
Danach: Schwer bewaffnete Polizisten, vermutlich falsche, zielen mit ihren Waffen auf ein Auto, das aber entkommen kann. Dazu ein Video, in dem man den Vorfall ungefiltert nachverfolgen kann.
Raubüberfälle, Morde, verhaftete Jugendliche, gefundene Leichen, tödliche Verkehrsunfälle - eine Tageszeitung in Honduras ist nichts für schwache Nerven. Und jeder Artikel ist mit Videos oder zumindest Fotos der Opfer und/oder Täter garniert, sozusagen live vom Tatort. An Überwachungskameras scheint es in diesem Land jedenfalls nicht zu mangeln.
Zum Schluss noch ein tragischer Artikel mit der Überschrift „Einbrecher bricht Außenspiegel ab“: Das Video einer Überwachungskamera zeigt, wie ein Einbrecher versucht, in ein Gebäude einzudringen. Er versucht sein Glück an zwei Stellen, aber beide Male misslingt es. Aus Frust reißt er dann den Außenspiegel eines der beiden vor dem Gebäude geparkten Autos ab und geht wieder.
Sein Gesicht wird extra vergrößert dargestellt, so dass er nun landesweit nicht nur als Einbrecher, sondern auch als Trottel bekannt sein wird.
Einreise in die USA
Unabhängig von diesen ganzen Geschichten sieht es jedenfalls im Moment so aus, dass wir gar nicht erst in dieses anscheinend so gefährliche Honduras kommen.
Direktflüge von Deutschland nach Honduras gibt es nicht, also fliegen wir über die USA.
Das war eine dumme Idee.
Die Flughäfen dort verfügen nicht über einen Transitbereich, sondern man muss grundsätzlich die komplette Einreiseprozedur über sich ergehen lassen, nur um gleich darauf wieder auszureisen.
Der mürrische und in seinem texanischen Englisch kaum zu verstehende Grenzbeamte stellt ein paar Fragen, nimmt unsere Fingerabdrücke ab, und nach einiger Zeit darf Nadine einreisen. Aber nur Nadine.
Ich werde, ohne irgendeine Erklärung zu erhalten, in einen separaten Raum geführt und mir wird befohlen, mich hinzusetzen.
Ich warte. Und warte.
Nadine steht irgendwo draußen und wartet ebenfalls, ohne eine Ahnung zu haben, was mit mir passiert. Ob ich in ein paar Minuten oder in ein paar Stunden oder gar nicht zu ihr zurück kommen werde.
Wie im Film.
Ich rechne schon damit, dass unser Anschlussflug demnächst ohne uns nach Honduras abheben wird, als einer der Grenzbeamten etwas in den Raum ruft, was mit viel Phantasie wie mein Nachname klingen könnte. Ich stehe auf, gehe zu dem Grenzbeamten, und bekomme dann kommentarlos meinen Reisepass in die Hand gedrückt und darf gehen.
Und so schaffen wir es doch noch zu unserem Flug nach Honduras und landen zweieinhalb Stunden später dort am Flughafen von San Pedro Sula. Wo wir von einem freundlichen und humorvollen Grenzbeamten empfangen werden, der uns nach ein paar Fragen zu unserem geplanten Aufenthalt herzlich willkommen heißt.
Der erste Eindruck von Honduras ist jedenfalls schon mal deutlich besser als der von den USA.
San Pedro Sula
San Pedro Sula stand noch vor rund zehn Jahren auf Platz 1 der Liste der gefährlichsten Städte der Welt (abgesehen von Kriegsgebieten), aber mittlerweile hat sich die Situation etwas gebessert. San Pedro Sula wurde unter anderem von einigen mexikanischen Städten und auch von Caracas in Venezuela überholt, lese ich. Sehr beruhigend.
Trotz der mittlerweile verlorenen Topposition dieser Stadt und trotz der Kenntnis, dass wir als Touristen von der dort vorherrschenden Bandenkriminalität vermutlich kaum betroffen sein werden, möchten wir nicht allzu lange hier bleiben.
Aus naheliegenden Gründen unternehmen wir hier keine allzu ausgedehnten Stadtspaziergänge, aber das, was wir sehen, macht auch nicht wirklich Lust darauf, sich hier länger aufzuhalten.
Da ich mein Handy aus ebenso naheliegenden Gründen auf unsere Spaziergänge nicht mitnehme, gibt es leider auch keine weiteren derart wunderschönen Fotos.
Handy-Verbot für Ausländer
Fast schon eine Tradition nach der Einreise in ein neues Land: Wir besorgen uns eine lokale SIM-Karte fürs Handy.
In einer Mall finden wir hierfür auch recht schnell einen großen Laden der Telefongesellschaft Claro.
Aber: Dort bekommen wir keine SIM-Karte.
Seit diesem Jahr gilt ein neues Gesetz, erfahren wir, das regelt, dass SIM-Karten nur von Einheimischen gekauft werden können. Dies soll der Verbrechensbekämpfung dienen. Mir wird allerdings nicht ganz klar, wie auch nur eines der Verbrechen, über die die Tageszeitungen berichtet haben, verhindert werden könnte, wenn Ausländer nicht mehr telefonieren können.
Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass es den Versuchen, mehr internationalen Tourismus ins Land zu bekommen, nicht allzu dienlich ist, wenn Touristen nun kein sicheres Uber mehr bestellen können, sich online nicht mehr orientieren und informieren können und im Notfall auch übers Handy keine Hilfe mehr holen können.
Aber natürlich verstehe ich weder von Verbrechensbekämpfung noch von Tourismusförderung etwas.
Was ich aber weiß, ist, dass hier in Lateinamerika Gesetz und Praxis oftmals zwei verschiedene Dinge sind.
Und so versuchen wir es noch in weiteren Läden. Und tatsächlich, bereits im vierten Laden fängt die Verkäuferin an, ihre Tasche zu durchwühlen, auf der Suche nach einer bereits aktivierten SIM-Karte. Die Suche dauert einige Zeit und es ist erstaunlich, was sich alles in dieser Tasche verbirgt, aber letztendlich findet sie die gesuchte Karte.
Somit sind wir auch in Honduras online. Vielen Dank.
Jetlag
Wir halten wir uns an die Empfehlung, im Dunkeln nicht mehr auf der Straße unterwegs zu sein, und gehen nach dem Abendessen im letzten Tageslicht ins Hotel zurück.
Uns fällt es nicht schwer, heute Abend schlichtweg gar nichts mehr zu unternehmen: Wir fallen sofort ins Bett und schlafen ein. Jetlag.
Und somit sind wir am nächsten Morgen sehr früh startklar, um unsere Reise durch Honduras zu beginnen.
| Land: | Honduras |
| Ort: | San Pedro Sula |
| Reisedatum: | 06.11.2025 - 08.11.2025 |
| Autor: | Manuel Sterk |
| Veröffentlicht: | 10.11.2025 |
| Leser bisher: | 44 |
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