Wir müssen uns nun wirklich beeilen mit unserer Flucht in den Süden Honduras. Die Nachrichten aus dem Norden werden immer bedrohlicher. Manche Ortschaften sind bereits komplett überflutet, es wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.
Auf der Hauptverbindungsstraße, auf der wir gestern nach Comayagua gefahren sind, gab es einen Erdrutsch, ein Stück weiter ist ein Bus umgekippt.
Hoffentlich sind wir schneller als die Unwetterfront.
Tegucigalpa
Nach rund drei Stunden Busfahrt kommen wir in der Hauptstadt Tegucigalpa an. Der Bus hält am Straßenrand inmitten eines unglaublichen Chaos. Endstation.
Ein Stück weiter vorne, beim Markt nach der Brücke, würde unser Anschlussbus nach San Lorenzo fahren, bekommen wir noch mitgeteilt.
Eine mitreisende Frau sieht unseren offensichtlich etwas hilflos wirkenden Gesichtsausdruck und bietet uns an, uns zu unserem Bus zu bringen. Das ist wirklich sehr nett, vielen Dank.
Sie lotst uns die Hauptstraße entlang, dann im Zickzack durch den Markt, und dann zu einem Bus, der inmitten von Marktständen auf Fahrgäste wartet.
Dass Märkte gleichzeitig die lokalen Busbahnhöfe sind, kennen wir von anderen Orten in Lateinamerika. Nicht selten ist es so, dass etwas außerhalb der Stadt ein neuer, moderner Busbahnhof gebaut wurde, aber in der Praxis trotzdem alle Busse durch den Markt fahren, vermutlich schlichtweg deshalb, weil hier eben die Menschen sind, die mit dem jeweiligen Bus mitfahren könnten. In Tegucigalpa hat man sich das mit dem Busbahnhof folgerichtig gleich ganz gespart.
Also muss jeder, der aus der sowieso alles andere als sicheren Stadt irgendwo hin will, in dieses als besonders unsicher geltende Viertel, um irgendwo zwischen tausend Menschen und Marktständen sich zum richtigen Bus durchzukämpfen. Mit seinem gesamten Gepäck in der Hand bzw. auf dem Rücken. Das ist vielleicht noch nicht ganz optimal gelöst, denke ich.
Wir fragen uns, wie der Bus nun aus dem Markt herauskommt. Und tatsächlich ist das nicht ganz einfach. Mehrmals müssen Verkäufer ihre Schirme und Pavillons etwas zur Seite räumen, damit der Bus um die Ecke kommt. Einmal verschätzt sich der Fahrer etwas und räumt einen Marktstand um. Die Verkäufer sind danach erstmal eine Weile damit beschäftigt, das Gemüse von der Straße aufzusammeln und wieder auf den Tisch zu packen.
San Lorenzo
Ein paar Stunden später steigen wir an einer Straßenkreuzung kurz vor San Lorenzo aus dem Bus. Diesmal klappt es nicht so gut mit dem Anschluss, wir müssen einige Zeit auf den nächsten Bus warten.
Aber zum Glück gibt es hier einige Verkaufsstände, so dass wir uns mit Proviant versorgen können.
Der nächste Bus fährt uns bis nach Coyolito, wo die Straße sozusagen im Meer endet.
Coyolito
Jetzt müssen wir nur noch mit einem Boot nach Amapala auf der Isla del Tigre, unserem Fluchtziel.
Man empfiehlt uns, anstatt auf das viel teurere Boot nach Amapala zu warten, einfach in das Boot zu steigen, das gleich abfährt. Dieses fährt zwar nicht nach Amapala, aber an einen Strand irgendwo anders auf der Insel, und von dort könnten wir mit einem Mototaxi, also einem Tuk-Tuk, weiter nach Amapala.
Also machen wir das so.
Ein über achtzig Jahre alter Mann sitzt Nadine gegenüber und erzählt von seinem Leben als Seemann, das ihn weit auf der Welt herum gebracht hat. Als er von seinen Erlebnissen in Hamburg berichtet, kommen wir auf der Isla del Tigre an.
Amapala
An dem Strand warten bereits einige Tuk-Tuk-Fahrer.
Wir werden zu dem Fahrer geleitet, der nach Amapala fährt, und zusammen mit dem alten Mann und einer jungen Frau als weitere Fahrgäste machen wir uns auf dem gut gefüllten Tuk-Tuk auf den Weg nach Amapala.
Ungefähr zehn Stunden haben wir insgesamt für die rund 220 Kilometer Fahrstrecke benötigt, eine atemberaubende Reisegeschwindkeit.
Aber, egal wie lange es gedauert hat, wir haben es geschafft und sind rechtzeitig an unserem Unwetter-Zufluchtsort angekommen.
Jetzt muss nur noch die Wettervorhersage Recht behalten und die Unwetterfront wird es nicht ebenfalls bis hierher schaffen.
| Land: | Honduras |
| Ort: | Tegucigalpa - Amapala |
| Reisedatum: | 11.11.2025 |
| Autor: | Manuel Sterk |
| Veröffentlicht: | 14.11.2025 |
| Leser bisher: | 26 |
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