Wir verlassen San Pedro Sula in einem dieser ausrangierten Schulbusse aus den USA, die nun in Mittelamerika als öffentliche Verkehrsmittel dienen.
Die Ortschaften ziehen an uns vorbei, aus dem Lautsprecher dröhnt lauter Reggeaton - passender kann eine Reise in Mittelamerika eigentlich nicht beginnen.
Die Musik wird allerdings jedesmal unterbrochen, wenn der Fahrer auf seinem Handy eine Nachricht schreiben oder telefonieren muss. Zum Glück können diese Busse nicht allzu schnell fahren, denn die Aufmerksamkeit, die der Fahrer der Straße widmet, hält sich in Grenzen.
Die Brauerei
Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichen wir unser Ziel, den unscheinbaren Ort Los Naranjos an Honduras größtem See, dem Lago de Yojoa.
In Los Naranjos gibt es eine kleine Craft-Bier-Brauerei, die Zimmer vermietet und Touren organisiert, und so Touristen in diesen Ort bringt.
Heute, am Samstag, sind fast alle Zimmer belegt. Offensichtlich ist der Lago de Yojoa ein beliebtes Wochenendziel für die Bewohner San Pedro Sulas.
Wir haben aber noch ein einfaches Zimmer mit eigenem Bad bekommen, soweit also alles perfekt.
Aber dann stürmt eine Horde etwa zwölfjähriger Kinder lärmend in die Unterkunft und bezieht die Hütte direkt neben unserem Zimmer.
Ohje.
Wir gehen an die Rezeption und fragen, ob es vielleicht doch noch ein anderes Zimmer gibt. Entgegen unserer Erwartung wird unsere Befürchtung, hier ansonsten keine Ruhe zu finden, sofort verstanden. Aber die Sache mit einem anderen Zimmer gestaltet sich schwierig.
Nach einiger Zeit gibt es zwei Ideen: Zum einen steht auf dem Parkplatz ein weißes Haus, und darin gibt es ein Zimmer.
Und zum anderen gibt es ein paar hundert Meter entfernt eine Finca, und da wäre auch noch ein Zimmer frei.
Da wir sowieso zu dieser Finca wollen, um in dem dortigen „Bioparque“ ein wenig spazieren zu gehen, schauen wir uns das Zimmer dort an. Und entscheiden uns dann für das Parkplatz-Zimmer.
Die Bilderbuch-Tropen
Alleine schon für die rund um diese Finca angelegten Wege hat sich die Reise nach Honduras gelohnt.
Zunächst muss man hier über eine etwas wackelige Brücke gehen, dann ist man mittendrin in einem tropischen Paradies.
Der Parkplatz
Im Dorf gibt es zwar einige Restaurants, aber die meisten haben offensichtlich nur tagsüber geöffnet. Also gehen wir zurück zu unserem Brauerei-Hotel und essen dort zu Abend.
Und anschließend gehen wir zu unserem Parkplatz-Zimmer.
Von der Straße aus sieht unser Haus eigentlich recht schön aus.
Das täuscht allerdings darüber hinweg, dass es im Inneren etwas, sagen wir einmal, seltsam ist. Erst kommt ein riesengroßer leerer Raum, dann ein paar Türen, wobei die eine zu unserem Zimmer und eine andere ins Badezimmer führt. Überall haben sich am Boden größere Haufen an Holzspäne gebildet, das Haus scheint also von innen aufgefressen zu werden.
Nachts krabbeln dann Hunderte an ameisenähnlichen Tierchen im Badezimmer umher. Wir schließen die Tür, lassen diese Tierchen in Ruhe das Haus auffressen und gehen ins Bett.
Es ist herrlich ruhig hier, wir schlafen hervorragend. Der Zimmerwechsel hat sich also definitiv gelohnt.
Und das Haus steht am nächsten Morgen noch und die Tierchen sind wieder aus dem Badezimmer verschwunden.
Der See
Es gibt noch einen weiteren Park hier in Los Naranjos, und den besuchen wir am nächsten Tag.
Auch hier führt eine Brücke in den eigentlichen Park, diesmal aber eine etwas solidere.
Und wieder landen wir in Bilderbuch-Tropen.
Jetzt, am Ende der Regenzeit, ist ein Großteil des Areals überschwemmt, nicht alle Wege sind also begehbar.
Aber auf Stegen geht es weiter Richtung See.
Der Kayak-Unfall
Am Nachmittag mieten wir uns jeweils ein Kayak und paddeln darin den Fluss entlang zum See.
Alles verläuft problemlos, bis wir die Kayaks wieder zurückgeben wollen: Der Junge, der Nadine beim Aussteigen helfen soll, lässt unvermittelt los, Nadine rutscht aus und landet im Fluss.
Nass
Und so gehe ich neben einer tropfenden und schimpfenden Nadine zurück zu unserem Parkplatz-Zimmer.
Wenn wir nur eine halbe Stunde später losgegangen waren, wären wir beide nass geworden, ganz ohne Flussbad: Es fängt an, kräftig zu regnen.
Zum Glück haben wir nun bereits das Zimmer gewechselt. Ab heute, Sonntag, sind wieder alle Zimmer frei und wir haben somit freie Auswahl. Und können uns so für ein schönes Zimmer mit Balkon, Blick ins Grüne, und ohne hausfressende Tierchen entscheiden.
Hier können wir entspannt dem Regen zuschauen.
Die Flucht
In der Nacht schüttet es weiter, es blitzt und donnert, die ganze Hütte wackelt.
Eine Kaltfront hat Honduras erreicht, lese ich, es wird nun ein paar Tage weiter regnen und gewittern, ein heftiger Sturm kommt auf, die Temperaturen gehen um mehr als zehn Grad zurück.
Teile San Pedro Sulas sind bereits überflutet, es wird um äußerste Vorsicht gebeten, was auch immer damit genau gemeint ist.
Nur ganz im Süden, an der Pazifikküste, soll es nicht so schlimm werden.
Nach einem Blick auf die Wetterkarte steht unser Entschluss fest: Wir flüchten einmal quer durchs Land, zur Pazifikküste. Lieber leichter Regen bei 34 Grad als heftigste Regengüsse bei 19 Grad.
Also machen wir uns auf den Weg.
| Land: | Honduras |
| Ort: | Lago de Yojoa |
| Reisedatum: | 08.11.2025 - 10.11.2025 |
| Autor: | Manuel Sterk |
| Veröffentlicht: | 11.11.2025 |
| Leser bisher: | 35 |
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